Honeck jugendorganisationen v1 de 2018

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Jugendorganisationen
Hitlerjugend, Komsomol, Boy Scouts – keine Großerzählung zum 20. Jahrhundert kommt ohne diese millionenstarken Jugendverbände aus. Für die einen bedeuten Jugendorganisationen Spiel, Spaß und Abenteuer, für die anderen straffe Hierarchien und politische Indoktrination. Ungeachtet dieser Stereotypen ist es der historischen Forschung gelungen, ein differenziertes Bild dieser pädagogischen Innovation zu zeichnen. Der Beitrag stellt die wichtigsten Etappen der Forschungsdiskussion vor und zeigt, welchen Erkenntnisgewinn die Beschäftigung mit Jugendorganisationen für zentrale Arbeitsfelder der Zeitgeschichte haben kann.
Jugendorganisationen

von Mischa Honeck


Einleitung

Als im Sommer 1951 der damals siebzehnjährige Pfadfinder Richard Etheridge aus Birmingham, England, seinen Rucksack packte und nach Zentraleuropa aufbrach, ahnten seine Kameraden nicht, dass es Etheridge nicht zum Weltpfadfinderfest ins österreichische Bad Ischl zog. Noch in England setzte sich Etheridge von seiner Truppe ab und schlug sich nach einer abenteuerlichen Schiffspassage über Dünkirchen nach Danzig zu seinem eigentlichen Ziel durch: den zeitgleich in Ost-Berlin stattfindenden Weltfestspielen der Jugend und Studenten. Etheridge machte aus seiner sozialistischen Gesinnung nach seiner Rückkehr aus der Deutschen Demokratischen Republik keinen Hehl mehr. Nachdem die englische Presse von der Existenz anderer „Red Scouts“ und ihren Fraternisierungen mit Jugendlichen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs berichtete, wurde aus einem vermeintlichen Jungenstreich eine formidable Staatsaffäre. Der britische Pfadfinderverband ging hart gegen interne Abweichler vor, Eltern beklagten die Manipulierbarkeit ihrer Kinder, und Abgeordnete der Labour Party protestierten, dass das Gift des McCarthyismus in eine der ältesten und angesehensten Jugendorganisationen des Landes eingesickert sei.[1]

Diese Episode aus den Anfängen des Kalten Kriegs ist in zweierlei Hinsicht aufschlussreich. Sie illustriert zum einen die enorme Signifikanz, die Vorstellungen und Praktiken jugendlicher Vergemeinschaftung in den ideologisch hochmobilisierten Gesellschaften des 20. Jahrhunderts besaßen – ein Zentennium, das aufgrund des Bedeutungszuwachses der Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter vielen als ein „Jahrhundert der Jugend“ galt.[2] Zum anderen verweist der Fall Etheridge auf die historische Rolle von Jugendorganisationen bei dem Versuch staatlicher und nichtstaatlicher Eliten, Partizipationsansprüche junger Menschen zu steuern und einzuhegen. Die globalen Ausmaße, die diese pädagogische Innovation in nur wenigen Jahrzehnten erreichte, lassen aufhorchen: Zeltlager, Feste, Leibesübungen, Fahnenkulte und Initiationsrituale, mit denen Millionen von Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechts in bestehende Herrschaftsordnungen integriert werden sollten, faszinierten Funktionseliten in Weltanschauungsdiktaturen, liberalen Demokratien und antikolonialen Bewegungen gleichermaßen.

Das Bild im Gleichschritt marschierender und im Gleichtakt singender uniformierter junger Menschen dominiert seit langem die öffentliche und historiografische Diskussion um das Phänomen der organisierten Jugend, dessen Hochphase in das vom Historiker Eric Hobsbawm vermessene „Zeitalter der Extreme“ fällt.[3] Allerdings läuft der zumeist einseitige Fokus auf totalitäre Massenverbände wie die Hitlerjugend oder den sowjetischen Komsomol Gefahr, die Pluralität, Mobilität und insbesondere die Flexibilität dieser pädagogischen Neuerung aus dem Blick zu verlieren. Träger von Jugendorganisationen können Staaten und die sie stützenden Parteien sein. Es gibt sie sui generis. Aber auch Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Unternehmer und Vereine nutzen Jugendorganisationen als Rekrutierungsbecken für dringend benötigen Nachwuchs, nicht zuletzt weil eine selbstbewusste Jugend mehr Mitsprache bei der Ausgestaltung gesellschaftlicher und politischer Ordnungen einforderte.

Die historische Forschung hat sich inzwischen von dem älteren Narrativ von Jugendorganisationen als einförmigen Indoktrinationsmaschinen verabschiedet und begonnen, diese als vielschichtige Räume der intergenerationellen Sozialisation neu zu denken, angesiedelt an den Schnittstellen zwischen Staat und Zivilgesellschaft, Politik und Freizeit. Dazu gehören Studien, die den Beitrag organisierter Jugendbewegungen zur Konstruktion moderner Geschlechterrollen untersuchen, sowie Arbeiten, die Organisationen wie den Pfadfindern eine Vorreiterrolle bei der Bildung transnationaler und globaler Netzwerke zuschreiben. Parallel zum Aufstieg der Geschlechtergeschichte und der Globalgeschichte gingen entscheidende Impulse von Vertretern einer akteurszentrierten Kindheitsgeschichte aus, die dafür plädieren, Kinder und Jugendliche als (semi)autonome historische Akteure anzuerkennen, die sich dem Autoritätsanspruch ihrer erwachsenen Anführer immer wieder entziehen.

Die geschichtswissenschaftliche Beschäftigung mit Jugendorganisationen erlebt zurzeit eine regelrechte Renaissance, die der folgende Beitrag zum Anlass nimmt, die Entwicklung des Feldes zu skizzieren und Potenziale für die künftige Forschung auszuloten. Schwerpunktsetzungen sind bei einem so großen und facettenreichen Areal unvermeidlich: Im Zentrum des Beitrags steht das Verhältnis der angloamerikanisch geprägten Scout-Bewegung zu den Staatsjugenden faschistischer und kommunistischer Provenienz im 20. Jahrhundert – ein Zuschnitt, der überwiegend meinen Forschungsinteressen an der Geschichte der Jugend und Kindheit im transatlantischen Raum geschuldet ist. In Seitenblicken werden andere Organisationsformen gestreift, darunter die Parteijugenden in der Bundesrepublik Deutschland. Vorgestellt werden wegweisende Überlegungen aus der historischen Totalitarismusforschung sowie wichtige Arbeiten zur staatsbürgerlichen Erziehung und außerschulischen Sozialisation junger Menschen. Anschließend werden Ansätze aus der Geschlechter- und Globalgeschichte diskutiert, die dem Feld seit der Jahrtausendwende inhaltlich neue Akzente beschert haben. Zunächst muss es aber darum gehen, sich den Schlüsselbegriffen „Jugend“ und „Jugendorganisation“ im Rekurs auf die einschlägige Literatur definitorisch anzunähern.

Boy Scouts, Gettysburg, Juli 1913. Fotograf: unbekannt / veröffentlicht in: „Bain News Service“. Quelle: [http://loc.gov/pictures/resource/ggbain.13849/ The Library of Congress] / [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Boy_Scouts_-_Gettysburg_LOC_3931075949.jpg Wikimedia Commons] Public Domain
Boy Scouts, Gettysburg, Juli 1913. Fotograf: unbekannt / veröffentlicht in: „Bain News Service“. Quelle: The Library of Congress / Wikimedia Commons Public Domain


Konzepte, Konturen, Kontroversen

Dass Jugendorganisationen nicht nur Jugendliche selbst, sondern auch ein beherrschbares Konzept von Jugend benötigen, mag wie eine Binsenweisheit klingen. Doch stoßen Historiker/innen bei näherem Hinsehen unweigerlich auf eine Fülle von historisch-kulturellen Semantiken, die jeden Versuch, eine stabile, zeitungebundene Definition zu finden, sinnlos erscheinen lassen. Der Historiker Detlev Peukert brachte es auf den Punkt mit der Feststellung, Jugend sei als Kollektiv „bemerkenswert uneinheitlich“.[4] Es ist daher notwendig, in historisch spezifische Kontexte hineinzuleuchten, in denen Jugend und Jugendliche wirksam wurden. Im Dickicht der Interpretationsangebote, die Orientierung bei solchen Nahaufnahmen liefern sollen, stechen heutzutage vor allem solche Analysen hervor, die angesichts der Vielzahl historischer Erfahrungen von Jugend(lichen) universalisierende Etikette eher vermeiden. Flankiert wurde dieses Pluralitätsbewusstsein von sozialkonstruktivistischen Studien aus der historischen Forschung zu den Feldern Kindheit, Jugend und hohes Alter. An die Stelle rein quantitativer Ansätze ist die Erforschung von sozialen Beziehungen, juristischen Regelungen und kulturellen Praktiken getreten, durch die verschiedene Lebensphasen und Altersschwellen erst gesellschaftlich gemacht und dadurch historisch veränderbar werden.[5] Das Reden über Jugend wie auch die Handlungsmöglichkeiten von Jugendlichen selbst bilden dabei keine freischwebenden Analysekategorien, sondern sind eingebettet in situative, nach Strukturprinzipien wie Geschlecht, Schichtzugehörigkeit, Race und Religion ausdifferenzierte gesellschaftliche Realitäten. Auf dieser Basis argumentieren auch Richard Ivan Jobs und David Pomfret, deren duale Perspektive auf Jugend als ein zu historisierendes „kulturelles Konzept“ und „sozialer Körper“ einen produktiven Ausgangspunkt für die Erforschung von Jugendorganisationen bietet.[6]

Freilich war das diskursive Ringen um Jugend bereits ein historisch-spezifisches Problem, das wiederholt in Quellen aus der Frühphase organisierter Jugendbewegungen auftaucht. Eine wichtige Denkfigur, auf die sich um 1900 eine heterogene Koalition aus Jugendbetreuern – Pädagogen, Sozialreformer, Naturfreunde, Offiziere und Staatsmänner – in Europa und Nordamerika berief, war das vom US-amerikanischen Entwicklungspsychologen Granville Stanley Hall (1846-1924) popularisierte Konzept der Adoleszenz.[7] Die Ideen von Hall und anderen Erziehungsexperten der Jahrhundertwende waren einflussreich, weil sie mit der Adoleszenz eine verwissenschaftlichte Theorie der Jugend als ein von Kindheit und Erwachsenenzeit unterscheidbares Lebensalter des extremen Erlebens und Verhaltens begründeten. Relativiert, wenn auch nicht verdrängt, wurde damit der Jugendkult postaufklärerischer nationalistischer Bewegungen, in denen Jugend als romantisierende Aufbruchsmetapher zirkulierte und dabei weniger eine spezifische Altersgruppe als eine kritische Haltung gegenüber der tradierten, oftmals ständischen Ordnung der Älteren bezeichnete.[8]

Halls evolutionsbiologisch inspirierte Forderung, Kinder sollten ihre „primitiven Triebe“ im angeleiteten Spiel ausleben dürfen, bot eine wissenschaftliche Legitimation für eine Reihe von pädagogischen Experimenten wie mit den Woodcraft Indians in den Vereinigten Staaten oder den aus Schottland stammenden Boys’ Brigades, in denen Erwachsene zusammen mit Jugendlichen – häufig im Rahmen verbindender Naturerlebnisse, Freizeitaktivitäten oder kadettenhaftem Drill – neue generationsübergreifende Formen des Zusammenseins erkundeten.[9] Aus diesen Versuchsanordnungen gingen letztlich die 1908 in England gegründeten Pfadfinder hervor, in vielerlei Hinsicht der Prototyp der modernen Jugendorganisation, zumal sich die vom britischen Veteran des Burenkrieges, Robert Baden-Powell (1857-1941), angeführten Boy Scouts zunächst in der angloamerikanischen Welt rasant ausbreiteten und international zahlreiche Nachahmer fanden.[10]

In den Biwaks und Aufmärschen der Scouts waren Strukturen angelegt, die zum Erkennungszeichen moderner Jugendorganisationen in unterschiedlichen geografischen Regionen und politischen Regimen wurden. Als Standardmerkmal gilt die quasi-militärische Uniformierung ihrer Mitglieder, die nicht nur die Zugehörigkeit zu staatlichen oder staatsnahen Institutionen suggeriert, sondern auch die Beheimatung des Einzelnen in utopisch überzeichneten, in der Regel national oder imperial gerahmten Großkollektiven symbolisiert. Nicht weniger bedeutend ist das Moment der Intergenerationalität, die Jugendorganisationen zu einem besonderen Ort der Interessenvermittlung zwischen Jung und Alt werden ließ. Der Jugendsoziologe Jay Mechling spricht in diesem Zusammenhang von einer „syncretic border culture“, die er als Resultat eines Interaktionsgeflechts beschreibt zwischen „adult intentions and the youth’s desire to exercise as much autonomy as possible“ – auch wenn diese Interaktionen innerhalb hierarchischer Formationen stattfinden.[11]

Forscher/innen, die in idealtypischer Weise eine begriffliche Trennung von Jugendorganisation und Jugendbewegung vornehmen, betrachten in letzterem Fall die Intergenerationalität als nebensächlichen Faktor und unterstreichen dagegen die Tendenz von Jugendbewegungen zur jugendlichen (und vergleichsweise egalitären) Selbstführung. Als Paradebeispiel wird häufig der 1896 in Berlin-Steglitz ins Leben gerufene Wandervogel zitiert, ein bündisch-nationaler Zusammenschluss bürgerlicher Studenten und Schüler, die den Materialismus der modernen Zivilisation kritisierten und in der freien Natur nach einer wahrhaftigeren Lebensart suchten.[12] Empirisch sind solch starre Unterscheidungen jedoch selten hilfreich, da die Selbstverortungen der Akteure wesentlich ambivalenter ausfallen konnten. Baden-Powell verachtete Zeit seines Lebens den Terminus Organisation, den er als zu bürokratisch empfand, um die Lagerfeuerromantik und spielerische Verbrüderung von Jungen und Männern in der Pfadfinderei unverfälscht abzubilden. Zwischen den Polen Bewegung und Organisation schwankte auch die Hitlerjugend, die zwar von der älteren deutschen Jugendbewegung das Motto „Jugend führt Jugend“ adaptierte, aber unmissverständlich die Eingliederung ihrer Mitglieder in die nationalsozialistische Herrschaftsordnung anstrebte.[13] Grundsätzlich hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass die Geschichte von Jugendbewegungen und Jugendorganisationen wichtige Segmente der Gesellschafts- und Kulturgeschichte darstellen. Die Bereitschaft, in Jugendorganisationen Mikrokosmen größerer gesellschaftlicher Transformationsprozesse zu entdecken, steht in der Tradition Walter Laqueurs, der 1962 feststellte, dass man die Geschichte der deutschen Jugendbewegung „kennen muss, will man das Deutschland des zwanzigsten Jahrhunderts verstehen“.[14]

Mittlerweile sehen Historiker/innen wie Tamara Myers, Sian Edwards und Olga Kucherenko in der von Mechling geforderten Integration von Erwachsenenideologie und dem Geschehen an der jugendlichen Basis eine Art methodischen Königsweg, wohl wissend, dass gerade der Anspruch, Jugendorganisationen von den ihnen innewohnenden Jugendkulturen her zu verstehen, forschungspraktisch schnell an seine Grenzen stoßen kann.[15] Die Herausforderung beginnt mit den Quellen: In der Regel sind Zeugnisse, mit denen sich die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen rekonstruieren lassen, weitaus schwieriger aufzuspüren als Überlieferungen zur Programmatik der Organisatoren und den Praktiken einzelner Erzieher oder Betreuer. Die relative Stimmlosigkeit junger Menschen in den Archiven hat einige Kindheitshistoriker/innen dazu bewogen, Parallelen zwischen ihren Subjekten und anderen marginalisierten Gruppen auszumachen und sich bei dem Versuch, ihre minderjährigen Akteure zum Sprechen zu bringen, an postkolonialen Ansätzen zu orientieren.[16]

Angehörige der „Hitlerjugend“ bei einer Kundgebung, Herbst 1943. Fotograf: unbekannt, Quelle: Bundesarchiv Bild 183-J08403 (ADN)
Angehörige der „Hitlerjugend“ bei einer Kundgebung, Herbst 1943. Fotograf: unbekannt, Quelle: Bundesarchiv Bild 183-J08403 (ADN)


Während Kritik an eurozentrischen Konzepten von Jugend und Kindheit angebracht ist, werden postkoloniale Analogien spätestens dann problematisch, wenn Theorien subalterner Widerständigkeit unreflektiert auf temporäre Entwicklungsstadien oder transitorische Altersstufen übertragen werden. Um nicht in die von Mona Gleason ausgemachte „agency trap“ zu tappen, ist es ratsam, die Beiträge von Kindern und Jugendlichen in einer Jugendorganisation breiter zu fassen, und zwar entlang eines dynamischen Kontinuums „from opposition to assent“, wie es Susan Miller treffend formulierte.[17] Miller plädiert für einen undogmatischen und elastischen Agency-Begriff: Nur so ließen sich die vielfältigen Handlungsoptionen in Beziehungen von organisierten Jugendlichen mit ihren Anführern in einer Weise darstellen, dass in Forschungsnarrativen sowohl das situative Kooperieren und gelegentliche Ausscheren Platz fänden als auch der Eifer der Zustimmung, wie er in seiner wohl extremsten Form im Fanatismus kämpfender Hitlerjungen oder in den Gewaltorgien der chinesischen Kulturrevolution durchgeschlagen sei.[18]


Jugend marschiert: Staatsbürgerliche Erziehung in Krieg und Frieden

Die Suche nach Spuren jugendlichen Eigensinns markiert gewiss nicht den Anfangspunkt der kritischen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der organisierten Jugend, unter die sich zu Beginn noch viele Selbstzeugnisse ehemaliger Mitglieder mischten. Das Feld formierte sich erst zögerlich nach dem Zweiten Weltkrieg und dann deutlich fulminanter in den 1970er-Jahren unter dem Eindruck zeitgenössischer jugendlicher Gegenkulturen, allen voran der Studentenbewegung. In Zeiten antiautoritärer Proteste war mit der Jugend erneut eine volatile politische Kraft auf die historische Bühne getreten, die je nach Stoßrichtung gesellschaftliche Machtverhältnisse stabilisieren oder ins Wanken bringen konnte. Genau dieser Doppelcharakter von Jugend als demografischer Ressource und gesellschaftspolitischem Risiko, das es mittels neuer Institutionen der Gefügigmachung wie des Jugendstrafrechts, der Jugendfürsorge oder eben auch hierarchisch gestaffelter Jugendverbände zu minimieren galt, bildete auch den zentralen analytischen Rahmen für die erste Generation der Jugendorganisationshistoriker/innen.[19]

Zahlreiche Vertreter dieser Forschergeneration, die teils mit antiautoritären Theorien in Berührung gekommen waren, interpretierten Jugendorganisationen überwiegend als verlängerten Arm von Herrschaftseliten. Kontrolle, Disziplinierung und Indoktrination waren die Paradigmen der Stunde. Am deutlichsten tritt das Prinzip des Erfassens und Beherrschens in grundlegenden Arbeiten zu den faschistischen und nationalsozialistischen Nachwuchsverbänden hervor.[20] Dreh- und Angelpunkt war die völlige Ausrichtung der italienischen Opera Nazionale Balilla oder der deutschen Hitlerjugend auf den „Führerstaat“ sowie die Umkehrung des liberal-demokratischen Rechts des einzelnen Kindes auf eine gute Erziehung in den Anspruch der „Volksgemeinschaft“, von einer wehrhaften und opferbereiten Jugend zu profitieren. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren die enge Allianz der Organisatoren mit den jeweiligen Obrigkeiten, interne Überwachungs- und Strafmechanismen sowie der vormilitärische Charakter von außerschulischen und außerkirchlichen Erziehungskonzepten in modernen Mobilisierungsdiktaturen.[21] Dagegen steckt die historische Forschung zu den jugendlichen Erfahrungswelten noch in den Anfängen. Gewiss verfehlten die Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel (BDM) trotz steigender Organisierungsraten in den 1930ern das Ziel der „totalen Erziehung“ einer ganzen Generation. Bis auf wenige Oral-History-Projekte, in denen Zeitzeugen über ihre Erlebnisse als junge Nationalsozialisten zwischen Gruppenfahrten, Spielmannszügen und Wehrsportübungen berichten, existieren jedoch kaum Studien, die einen tieferen Einblick in den Motivationshaushalt junger Mitglieder bieten.[22]

Mit einiger Verzögerung geriet auch die Verfolgung ausgegrenzter, insbesondere jüdischer und anderer „nicht-arischer“ Kinder und Jugendlicher in den Fokus. Opportunismus und Opposition im Alltag – wie im Falle der Swing-Jugend – wurden in den frühen Studien allerdings nur ansatzweise diskutiert.[23] Zu dominant war das Bestreben, Jugend in Einparteienstaaten wie im „Dritten Reich“ oder im maoistischen China, wo Kinder ihre Eltern als Konterrevolutionäre denunzierten, als Verführte oder Insassen von „totalen Institutionen“ zu verstehen.[24]

Zwiespältiger fiel das Urteil über die staatspolitische Erziehungsarbeit in liberalen und sozialistischen Jugendorganisationen aus, wenn auch hier die offiziellen Ideologien der jeweiligen Verbandseliten den Bewertungsmaßstab lieferten. Der mit dem Kalten Krieg verbundene Wettstreit der Systeme spiegelte sich klar in der ersten, häufig von den Organisationen selbst propagierten Lesart wider. Hierzu zählt die in den späten 1950ern vom Briten John S. Wilson verfasste Geschichte des Weltpfadfindertums, die den voluntaristischen und religiösen Charakter der Scouts als „freiheitliches Bollwerk“ gegen die staatlich gelenkten „Kolonnen“ der kommunistisch-atheistisch erzogenen Jugend im Osten hervorhebt.[25] Das bipolare Denken prägte auch die Darstellungen der Gegenseite: So waren die regimekonformen historischen Studien zur Freien Deutschen Jugend (FDJ) selten frei von politisch motivierten Seitenhieben auf die Jugendverbände der NATO-Staaten, die in marxistisch-leninistischer Manier als „Brutstätten des westlichen Imperialismus“ abgekanzelt wurden.[26] Solche Feindkonstruktionen standen Pate bei der Formulierung von Erziehungszielen wie die der „sozialistischen Persönlichkeit“ oder des „kommunistischen Menschen“, denen sich die Parteijugenden der Mitgliedsstaaten des späteren Warschauer Pakts nach 1945 verschrieben. Marxistisch-leninistische Hegemonialparteien verlangten von der jungen Generation Pflichterfüllung bei der Arbeit, Engagement beim Aufbau einer gerechten Gesellschaft und Solidarität mit den Unabhängigkeitsbestrebungen kolonisierter Völker, wie es der Vorsitzende der Sozialistischen Einheitspartei, Walter Ulbricht, in der DDR im Juli 1958 verkündete. Dazu eröffneten sie vor allem in der Nachkriegszeit, als großer Personalmangel herrschte, linientreuen Jugendlichen neue Formen der Teilhabe und ungeahnte Aufstiegschancen.[27]

Mitgliederwerbung Junge Union Bayern 1980. Urheber: unbekannt, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:KAS-Mitgliederwerbung-Bild-13204-1.jpg Konrad-Adenauer-Stiftung Bild-13204 / Wikimedia Commons], Lizenz [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en CC BY-SA 3.0]
Mitgliederwerbung Junge Union Bayern 1980. Urheber: unbekannt, Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung Bild-13204 / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0


Die Pflege des eigenen Nachwuchses, die politisch-ideologische Schulung an die Aussicht auf verheißungsvolle Karrieren im Politikbetrieb koppelte, gehörte nach 1945 schließlich auch zum Kerngeschäft politischer Parteien in den westlichen Ländern, wenn auch unter pluralistischen Vorzeichen. In der neu gegründeten Bundesrepublik waren es besonders die Junge Union (Christlich Demokratische Union), die Jungsozialisten (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und die Jungdemokraten (Freie Demokratische Partei), die teils anknüpfend an ihre Vorgänger in der Weimarer Republik Mobilisierungsformen und Mitsprachemöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene im westdeutschen Parteiensystem prägten. Ein wesentlicher Unterschied zu außerparteilichen Jugendverbänden bestand in der Altersstruktur: Auch wenn sich Parteijugenden aus Jugendlichen verschiedenster Jahrgänge zusammensetzten, werden ihre Führungsriegen bis heute überwiegend von Mitgliedern zwischen 25 und 35 Jahren dominiert. Der Historiker Wolfgang R. Krabbe führt die semantische Dehnung des Jugendbegriffs im Kontext politischer Jugendorganisationen, die bewusst auch junge Erwachsene inkludieren, darauf zurück, dass diese meist mehrere Zwecke erfüllen. In ihrer Geschichte fungierten sie wahlweise als „Rekrutendepots“, „Schulungs- und Wahlhelfertruppen der Mutterparteien“, „Anwärterreservoirs“, bis hin zu „parteiinternen Oppositionsgruppen“.[28] Gerade der letzte Aspekt zementierte ab den 1970er-Jahren den Ruf von Parteijugendlichen als kritische Anhänger mit „lebhafter Debattenlust“, die sich über Parteigrenzen hinweg als Interessenvertreter der jungen Generation gerieren und die „Übermacht der Senioren“ in Parlament und Regierung anprangern.[29]

Jenseits dieser Institutionsgeschichten bildete sich vor allem in Nordamerika und Westeuropa eine sozialgeschichtlich fundierte Historiografie heraus, die sich für Jugendorganisationen als Experimentierfeld für kritische Modernisierungstheorien interessierte. Klassenorientierte Analysen verbanden die Entstehung der Pfadfinderei in Großbritannien und den Vereinigten Staaten mit der Vermittlung patriotischer Ideale innerhalb bürgerlich-hierarchischer Strukturen und dem Bestreben, proletarische Jugendkulturen zu marginalisieren oder gar als revolutionäre Gefahr zu stigmatisieren. Im Diskurs des verwahrlosten und straf(an)fälligen Arbeiterkindes verdichtete sich ein an politische Präventionsarbeit gekoppeltes Verständnis von Antidelinquenz. Jugendverbände ersetzten punitive Maßnahmen und offene Repression mit spielerischen Formen der staatspolitischen Einverleibung, um „Problemjugendliche“ in loyale Staatsbürger umzuerziehen.[30] Als Schreckgespenst dienten den Organisatoren die Frivolitäten einer jugendorientierten Konsum- und Freizeitkultur, die sich seit den frühen 1950ern in Ost und West mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickelte.[31] Sorgen um die vermeintlichen Ausschweifungen rebellischer Teenager steigerten sich zu sogenannten moral panics.[32] Von einer pauschalen Unvereinbarkeit von Jugendkultur und Jugendorganisationskultur kann jedoch keine Rede sein. Vielmehr veränderte sich im Laufe der Jahrzehnte das Erscheinungsbild vieler Organisationen gerade auch wegen des Kulturimports vieler Jugendlicher, die ihre Musik, Kleidungsstile und Umgangsformen auf die Zeltplätze und in die Ferienlager brachten. In der Regel gab es für Jugendliche in westlich-liberalen Gesellschaften mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Nichtsdestotrotz war auch die SED-Regierung Mitte der sechziger Jahre zu Zugeständnissen bereit, indem sie trotz erhobenen Zeigefingers gegenüber westlichen Kulturimporten den veränderten Freizeitbedürfnissen junger Menschen Rechnung trug. Aus Kulturhäusern und FDJ-Jugendklubs tönten nun vermehrt die Klänge moderner Rock- und Popmusik.[33]

Nur wenige Historiker/innen gingen so weit wie der US-Amerikaner Michael Rosenthal und unterstellten konservativen Jugendführern vom Schlage eines Baden-Powell protofaschistische Neigungen.[34] Konsensfähig wurde dagegen Rosenthals These, dass der Fokus auf Systemunterschiede häufig mehr verschleiere als erkläre. Auch wenn diese methodisch anspruchsvolleren Studien selten über den nationalen Referenzrahmen ihrer Akteure hinausblickten, förderten sie eine Anzahl von Gemeinsamkeiten zutage. Demnach teilten Jugendorganisationen unterschiedlicher Provenienz nicht nur die gleiche Rhetorik von Kameradschaft und jugendlicher Gemeinschaft, sondern bildeten die Vorhut einer modernen Biopolitik, die ideologieübergreifend – von der Regeneration alter Imperien bis zur totalitären Utopie des „Neuen Menschen“ – die Optimierung von sich im Wettstreit wähnender individueller und kollektiver Körper verfolgte.[35]

Gerade aufgrund der transnationalen Reichweite von uniformierten Jugendlichen – ihren soldatischen Sprechchören, Treuegelöbnissen und Fackelzügen – ergaben sich frühzeitig Berührungspunkte mit den Forschungsfeldern Militarismus und totaler Krieg. Bedeutend war diese Überlappung alleine deshalb, weil aus ihr eine Neubestimmung der Rolle von Heranwachsenden in den industrialisierten Massenkriegen des 20. Jahrhunderts hervorging. Rein viktimisierende Narrative wichen komplexeren Erzählungen, in denen Kinder und Jugendliche als kriegswichtige Akteure der nationalen und imperialen Mobilisierung in Erscheinung traten.[36] Unterstrichen wurde zum einen der emotionale Wert von propagandistischen Abbildungen, auf denen Kinderallegorien den Kampfeswillen, aber auch die Verletzlichkeit der eigenen Nation symbolisierten.[37] Zum anderen leisteten Jugendorganisationen einen elementaren Beitrag zur vormilitärischen Ausbildung ihrer Rekruten, indem sie – zumeist in Kooperation mit Militär und Regierung – altersgerechte Tätigkeitsfelder absteckten. Je nach Altersgruppe, Geschlecht und Totalisierungsgrad des Konflikts erstreckten sich diese Aktivitäten von kleineren Arbeitseinsätzen an der Heimatfront bis zum Kampfeinsatz als „Kindersoldaten“. Die Militarisierung von Kindern und Jugendlichen blieb keineswegs auf „heiße“ Kriege beschränkt. Der Heimatfrontcharakter staatstragender Jugendorganisationen zeigte sich nicht zuletzt während des Kalten Krieges, als uniformierte Minderjährige auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs den Luftraum überwachten, Schutzkeller bauten und das Überleben von Nuklearschlägen simulierten.[38] Auch hier greift, wenn man die neueste Forschung zu Rate zieht, die gängige Assoziation vom Kind als essentiellem Opfer zu kurz. Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung des Krieges als Initiationsritus, an dem Jugendliche bewusst teilnahmen, sei es, um armutsbedingter Perspektivlosigkeit zu entfliehen, oder weil ihre Peer-Kulturen mit den dortigen Idealen von Loyalität und Heroismus sie zur Waffe greifen ließen.[39]


Geschlechterrollen und Sexualität

Mit dem Einzug von Gendertheorien in die Geschichtswissenschaft setzte sich auch schrittweise die Erkenntnis durch, dass sich hinter dem Reden vom „Neuen Menschen“, dem eine geistig und körperlich starke Jugend vorangehe, weitgehend eine gesellschaftliche Auseinandersetzung um ein neues Männerbild verbarg.[40] Festzumachen ist dies nicht nur an der für das frühe 20. Jahrhundert charakteristischen Konvergenz von Führer- und Jugendkult. Entscheidend war darüber hinaus die Tatsache, dass viele zeitgenössische Jugendorganisationen, in denen Staatenlenker von Theodore Roosevelt (1858-1919) bis Adolf Hitler (1889-1945) und Josef Stalin (1878-1953) als vital, tatkräftig und ewig jung verehrt wurden, die Remaskulinisierung angeblich „erschlaffter“ Gesellschaften anstrebten.[41] Zu diesem Schluss kamen vor allem Studien angelsächsischer Historiker/innen, denen der Befund nicht ausreichte, die Hinwendung zur Jugend vor dem Ersten Weltkrieg sei das Ergebnis eines allgemeinen zivilisatorischen Unbehagens mit der fortschreitenden Industrialisierung und Urbanisierung. Ins Zentrum der Arbeiten von Robert MacDonald, Gail Bederman und Clifford Putney rückte die Krise der bürgerlichen Geschlechterordnung.[42] Alle drei Forscher sahen im Aufstieg männerbündlerischer Boy Scouts eine Reaktion auf die vermeintlich drohende Feminisierung des öffentlichen Lebens, symbolisiert durch erwerbstätige Frauen und weibliche Emanzipationsbestrebungen. Dies erkläre wiederum den Hang zur rigiden Geschlechtertrennung. Produziert werden sollten gute Staatsbürger und echte Männer.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, inwiefern das Verlangen nach homosozialer Gemeinschaft, wie es die Gründer der Pfadfinder und später auch die faschistischen Jugendführer formulierten, Ausweis eines reaktionären Antimodernismus war. Unstrittig ist, dass das Beharren auf männliche Exklusivität fester Bestandteil einer bürgerlichen Geschlechterpolitik war, die sich von der Zurückdrängung der Frau in die häusliche Sphäre eine Regeneration hegemonialer Männlichkeiten und damit auch der Maskulinität von Politik und Staat erhoffte. Zugleich betonen geschlechterhistorische Studien den Wandel von Männlichkeitsvorstellungen und Prozessen der Mannwerdung in der Hochmoderne.[43] Den steigenden Anforderungen in den männlich kodierten Feldern Wirtschaft und Wissenschaft begegneten Jugendorganisationen mit einer Diversifizierung ihrer Erziehungsprogramme, die zunehmend Überlebenstraining in freier Natur mit Elementen technisch-maschineller Ausbildung paarten. Diese Synthese verlief freilich nicht nach einem einheitlichen Muster. So orientierte sich das Freizeitangebot für US-amerikanische Pfadfinder in den 1920er-Jahren an den Bedürfnissen einer kapitalistischen Wettbewerbsgesellschaft, während die sowjetischen Komsomol den Aufbau des Kommunismus vorantreiben sollten. Der russische Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) erwartete von jungen Sowjetbürgern in den Jahren nach der Oktoberrevolution, dass sie sich bewusst zu „Avantgarden des Proletariats“ entwickeln sollten, die im „mannhaften Kampf“ für die neue Ordnung keine Rücksicht auf familiäre Bindungen und bürgerliche Moralvorstellungen nehmen dürften.[44] Trotz unterschiedlicher Marschrouten ging es in beiden Systemen – dem liberalen und kommunistischen – darum, junge männliche Staatsbürger zu formen, die den Umgang sowohl mit Axt und Feuerstein als auch mit modernen Technologien beherrschen sollten.[45]

In den Indianerspielen der weißen Boy Scouts und Hitlerjungen entdeckten andere Forscher/innen wiederum einen rauen und ursprünglichen Maskulinitätsstil, der früher als exklusives Verhaltensmerkmal „unzivilisierter“ nicht-weißer Männer gegolten habe.[46] Führende Jungenorganisationen in Europa und Nordamerika bekämpften nicht nur die „Verweichlichung“ der viktorianischen Bourgeoisie und jede Form der weiblichen Einmischung, sondern reproduzierten in vielen Fällen koloniale und rassistische Hierarchien. Sie waren sowohl phänotypisch als auch kulturell im wahrsten Sinne des Wortes „weiß“. Die Erziehung zum Mann konnte integrierend und ausgrenzend zugleich sein. Nie waren alle Jungen willkommen, sondern nur solche, die beispielsweise den jeweils herrschenden Kriterien der „Volksgemeinschaft“ im NS-System, den Jim-Crow-Gesetzen im US-amerikanischen Süden oder den anti-bürgerlichen Idealen im bolschewistischen Russland genügten. Diese Lesart macht Jugendorganisationen für die historische Intersektionalitätsforschung interessant, die von der Verwobenheit von Prozessen der Vergeschlechtlichung, Rassifizierung und sozialen Hierarchisierung ausgeht.[47]

Nun zweifelten selbst die reaktionärsten Pädagogen nicht am Wert einer naturzugewandten und körperkräftigenden Mädchenerziehung, obgleich sie diese zuerst an ihrer Fähigkeit bemaßen, Frauen und Mädchen auf ihre häuslich-reproduktiven Aufgaben zu beschränken. Zu den Verdiensten der historischen Frauen- und Genderforschung der letzten Jahrzehnte gehört, diese Polarität überwunden und herausgearbeitet zu haben, in welchem Rahmen bestimmte Jugendorganisationen eine Vielzahl moderner Weiblichkeiten tolerierten oder sogar gezielt förderten. Dass diese Weiblichkeiten nicht widerspruchsfrei waren, lässt sich am Beispiel des BDM gut nachvollziehen. Freizeit- und Fortbildungsangebote der nationalsozialistischen Mädchenorganisation boten Töchtern aus verschiedenen sozialen Schichten die Möglichkeit, der familiären Enge zu entkommen. Zugleich vernebelte die Betonung von Leibesübungen und weiblicher Selbstführung ein reaktionäres Frauenideal, das junge Frauen auf die Rolle der gesunden, attraktiven und hingebungsbereiten „deutschen Mutter“ einschwor.[48]

Als klassische Kontrastfolie zur bürgerlichen Ideologie der separate spheres inszenierten sich die kommunistischen Jugendverbände in Europa und Nordamerika. Bereits in der Zwischenkriegszeit war das Bekenntnis zur Gleichstellung der Geschlechter sowohl im sowjetischen Komsomol als auch unter den zahlenmäßig deutlich kleineren „Young Pioneers“ der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA) Teil eines revolutionären Programms, das die Jugend als formbarer und begeisterungsfähiger als die Erwachsenen einstufte und ihr eine Schlüsselrolle beim Aufbau einer neuen Gesellschaft zuwies. Kommunistische Parteiführer achteten darauf, dass Mädchen und junge Frauen ihren männlichen Kameraden bei Arbeitseinsätzen, politischen Demonstrationen, kulturellen Veranstaltungen, Alphabetisierungskampagnen und sportlichen Wettkämpfen im Ferienlager um nichts nachstanden.[49]

Dieselben Historiker/innen, die solchen koedukativen Traditionen nachspüren, warnen jedoch davor, diese als Übungsplätze für progressive feministische Identitäten zu interpretieren. Die angebliche Revolutionierung der Geschlechterverhältnisse im Kommunismus bedeutete in der Regel nicht, dass die Maskulinität des Staatskörpers und folglich die männliche Dominanz in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Militär in Frage gestellt wurden. Ebenso männlich kodiert blieben Ideale wie Disziplin, Kameradschaft und Opferbereitschaft, die in den linientreuen Organisationen vorherrschten. Deutlich wird das Spannungsverhältnis zwischen konservativen und progressiven Geschlechterrollen auch bei den weiblichen Pendants zu den angloamerikanischen Pfadfindern: den Girl Scouts (USA) und Girl Guides (Britisches Empire). Die 1912 von Juliette Gordon Low (1860-1927) gegründeten US-amerikanischen Girl Scouts grenzten sich von den etwas älteren Campfire Girls ab, die Low als zu traditionalistisch im Verständnis dessen, was Mädchen leisten sollten, ablehnte. Stattdessen entwarf Low eine Erlebnisgemeinschaft für Mädchen und Frauen, in der Patriotismus, Sport und Umweltschutz mit klassischen weiblichen Tugenden wie Haushaltsführung und Kinderbetreuung verschmolzen. Diese Ambivalenz war zugleich politisch gewollt und strategisch notwendig, da die uniformierten Girl Scouts von ihren männlichen Kollegen anfänglich als Provokation wahrgenommen wurden.[50]

Girl Scouts, April 1958. Fotograf: Adolph B. Rice Studio, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Girl_Scouts_(2899346014).jpg The Library of Virginia @ Flickr Commons / Wikimedia Commons]
Girl Scouts, April 1958. Fotograf: Adolph B. Rice Studio, Quelle: The Library of Virginia @ Flickr Commons / Wikimedia Commons


Ein allzu rigides Bild von Jugendorganisationen als Austragungsort für moderne Geschlechterkämpfe gerät allerdings ins Wanken, wenn ein Perspektivwechsel hin zu den Jugendlichen selbst vollzogen wird. Aus der Frühphase der englischen Pfadfinder ist überliefert, dass Mädchen ebenso enthusiastisch auf Baden-Powells Initiative reagierten und gemeinsam mit Jungen Pfadfindereinheiten bildeten. Berichten zufolge war Baden-Powell zutiefst verunsichert, als er 1909 auf der ersten großen Pfadfinderversammlung im Crystal Palace in London auf Mädchen traf, die sich als Pfadfinderinnen ausgaben. Da sich sein Erziehungskonzept nur an Jungen richten sollte, beauftragte Baden-Powell seine Schwester Agnes (1858-1945) mit der Gründung der Girl Guides.[51] Auch in anderen Kontexten legen verfügbare Schilderungen von jungen Akteuren nahe, dass sie oft keinen Widerspruch zwischen dem Wunsch nach homosozialer Exklusivität und ihrer eigenen sexuellen Sozialisation sahen. Um es etwas salopp zu formulieren: Unter Girl und Boy Scouts, Hitlerjungen und BDM-Mädchen wurde nicht weniger geflirtet und geschwärmt als unter ihren nicht-organisierten Altersgenossen.

Ergiebigere Analysen von Gender in Jugendorganisationen erfordern daher, nicht nur die Konstruktion von Geschlechterentwürfen im offiziellen Diskurs in den Blick zu nehmen. Dazu gehörte in aller Regel die Vermittlung sexualmoralischer Normen, die von der Tugendhaftigkeit vorehelicher Abstinenz bis zur Anleitung zu staatspolitisch korrektem reproduktiven Verhalten reichten.[52] Ebenso unerlässlich ist es, auf die Stellen zu schauen, wo solche Normen durch Formen des jugendlichen Aneignens und Ausprobierens episodisch überschritten wurden.

Wie nah scheinbar harmlose Intimität und sexuelle Gewalt beieinanderliegen können, belegt das historiografisch sträflich vernachlässigte Problem des Missbrauchs von Minderjährigen in Jugendorganisationen. Dies mag teilweise an den nicht vorhandenen oder schwer zugänglichen Quellen liegen, doch sind es sicher auch Berührungsängste, die Historiker/innen davon abhalten, sich mit den heiklen sexuellen Dimensionen homosozialer Gemeinschaften auseinanderzusetzen, gerade wenn sie Kinder betreffen. Ein verstörendes Bild zeichneten die 2012 aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichts des US-Bundesstaats Oregon freigegebenen „perversion files“ der Boy Scouts of America. Danach vertuschte die Organisation über mehrere Jahrzehnte Tausende von Missbrauchsfällen und hob ihre schützende Hand über päderastische Betreuer, die Jungen unter ihrer Obhut belästigt und vergewaltigt hatten.[53] Diese Gewaltverbrechen mit der Befürwortung von vorehelichem Geschlechtsverkehr, wie er von einigen nationalsozialistischen Jugendführern propagiert wurde, zu vergleichen,[54] mag vermessen sein. Es ist aber anzunehmen, dass dies nur zwei von vielen Manifestationen eines fatalen Dreiecks von Macht, Zwang und Sexualität in Jugendorganisationen sind, die von der Geschichtsschreibung noch aufzudecken sind.


Jugend ohne Grenzen? Transnationale und Globale Perspektiven

Neuere Ansätze in der Globalgeschichte zeichnen sich vermehrt dadurch aus, dass sie auf die Komplementarität verschiedener Raumanordnungen aufmerksam machen. Während zuvor in methodischen und theoretischen Diskussionen die Paradigmen des Transnationalen und/oder Globalen vor allem auf die Ablösung scheinbar überkommener nationalstaatlicher Perspektivierungen zielten, betonen jüngere Forschungen inzwischen die Gleichzeitigkeit und damit die Komplementarität nationaler, transnationaler, kontinentaler und globaler Aktionsräume, die zugleich Analyserahmen sind. Dieser Abschnitt soll zeigen, weshalb sich die Beschäftigung mit der Geschichte der organisierten Jugend für diejenigen Historiker/innen lohnt, die auf die Stellen blicken, an denen sich mehrere solcher Rahmen überlappen – also dort, wo historische Akteure ihr Tun und Handeln wiederholt in Beziehung zu überregionalen Vorgängen setzten, ganz gleich, ob diese Akteure zumeist auf einer lokalen Alltagsebene operierten.

Analytisch muss zwischen zwei Vorgängen unterschieden werden: der Globalisierung von Konzepten und Modellen der organisierten Jugend und der transnationalen Mobilität von organisierten Jugendlichen. Dass prominente Massenorganisationen wie die sowjetischen Komsomol oder die Boy Scouts of America international vernetzt waren, wurde bereits von der früheren Forschung anerkannt. Deren Augenmerk lag aber in der Regel auf Formen und Geschwindigkeiten der geografischen Expansion. Unstrittig ist, dass die kommunistischen Jungpioniere und Jugendlichen, die in Europa und Nordamerika in den Jahren nach der Oktoberrevolution, später auch in Afrika und Lateinamerika, entstanden, enge Beziehungen zu Moskau pflegten und offiziell den Führungsanspruch der Sowjetunion billigten, wenn es um die Verbreitung der Prinzipien des proletarischen Internationalismus ging.[55]

Das Denken in Zentren und Peripherien beherrschte auch die zeitgenössische Pfadfinderei. Ganz gleich, ob die Fraternisierungsrhetorik der Scouts in den Augen ihrer Urheber der imperialen Erneuerung oder der Völkerverständigung diente, werteten die meisten Kommentatoren diese als Ausdruck eines angelsächsischen Projekts zur Verflechtung der Welt.[56] Wie umfassend die Bereitschaft der Verbände war, jungen Menschen grenzüberschreitende Begegnungen zu ermöglichen, belegen die auswärtigen Kontakte faschistischer Organisationen. Relativ gut erforscht sind die Beziehungen der Hitlerjugend mit der italienischen Opera Nazionale Balilla, die sowohl den Wissenstransfer zwischen beiden Organisationen beförderten als auch Zukunftsvisionen Platz boten, die in dieser faschistischen Internationalen das Gerüst eines neuen völkischen Europas sahen.[57]

Größere Aufmerksamkeit erfuhren in den letzten Jahren die politischen Demonstrationen und Mobilisierungskampagnen, mit denen junge Menschen auf Europäisierungsprozesse in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg einwirkten. Die Historikerin Christina Norwig spricht in diesem Zusammenhang von einer „ersten europäischen Generation“, die idealistisch und tatkräftig – oft auch in enger Verzahnung mit transatlantischen Interessengruppen und nationalstaatlichen Politikern – auf die föderale Einigung (west)europäischer Staaten pochte. Die Europäische Jugendkampagne der 1950er-Jahre bildete die Speerspitze einer transnationalen Bewegung, welche in Kooperation mit ca. 500 Jugendverbänden Heranwachsende durch Seminare, Diskussionsabende, Studienreisen und Jugendparlamente für die Idee eines vereinten, aber dezidiert antikommunistischen Europas begeistern wollte.[58] Der Kalte Krieg lieferte bei solchen europapolitischen Initiativen „von unten“ einen entscheidenden, wenn auch nicht exklusiven Handlungsrahmen. Dass dieser im Einzelfall überwunden werden konnte, belegt das Beispiel der katholischen Vertriebenenjugend in der Bundesrepublik, die in den 1960er-Jahren trotz ihrer nationalen Verankerung die Kontaktaufnahme zu jungen Christen in den Herkunftsregionen intensivierte und zur Aussöhnung mit den osteuropäischen Nachbarn aufrief.[59]

Machtasymmetrien und Zentrifugalkräfte spielten derweil bei der Verbreitung bestimmter Organisationskonzepte eine wichtige Rolle. Neuere Studien stellen jedoch die herkömmliche Aufteilung von aktiv exportierenden und passiv aufnehmenden Gesellschaften in Frage, indem sie auf Prozesse der kreativen Rezeption und selektiven Adaption hinweisen. Selten übernahmen lokale Eliten importierte Strukturen unverändert, sondern passten diese an vertraute religiöse, kulturelle und politische Normen an. Dies traf auf eine Vielzahl von jüdisch-zionistischen Jugendgruppen zu, in denen sich gesamtgesellschaftliche und spezifisch jüdische Einflüsse vermischten.[60] Um Arbeiterkinder aus unterschiedlichen ethnischen Milieus zu rekrutieren, machten US-amerikanische Kommunisten Zugeständnisse an den kulturellen Mainstream des Landes und lockten mit Baseballturnieren und Wildwest-Mythologie.[61] Derweil verloren die Pfadfinder im katholischen Polen und Ungarn ihre protestantische Färbung und vereinigten unter ihren jeweiligen nationalen Dachverbänden männliche und weibliche Einheiten.[62] Diese nationalen Eigenwilligkeiten bargen zum Teil enormes Konfliktpotenzial, das in transnationalen Foren der organisierten Jugend immer wieder zu Spannungen und Missverständnissen führte. So protestierten auf der dritten internationalen Scout-Konferenz, die 1924 in Kopenhagen stattfand, lateinamerikanische Pfadfinder gegen den Hegemonialanspruch ihrer US-amerikanischen „Brüder“, deren zivilreligiöser Protestantismus sich nicht mit der katholischen Ausrichtung der hispanischen Verbände vertrug. Die Präsenz von weiblichen Scouts in internationalen Pfadfinderlagern konnte dagegen bei männlichen Jugendlichen aus den angloamerikanischen Organisationen, die stärker auf Geschlechtertrennung setzten, ein gewisses Unbehagen auslösen.[63]

Noch viel weiter von ihren geografischen Wurzeln entfernten sich einzelne, in Europa und Nordamerika geprägte institutionelle Modelle in der außerwestlichen Welt. Während die Symbolwelten westlicher Jugendverbände von imperialen Metaphern des Kundschaftens und Eroberns durchsetzt waren, kam es in Afrika, Südasien und Ostasien zu zunehmend hybriden Formen der Adaption. Ursprünglich eingeführt zur Stabilisierung kolonialer Herrschaftsverhältnisse, boten Organisationen wie die Pfadfinder genügend Raum für Eigenheiten, der sie auch für antikoloniale Befreiungsbewegungen attraktiv machte. Ho Chi Minh (1890-1969), auf dessen Betreiben 1942 die Gründung der vietnamesischen Jungpioniere zurückgeht, war nicht nur bekennender Kommunist, sondern auch ein Anhänger der Mobilisierungskonzepte Baden-Powells.[64] Ähnlich fließend verliefen die Grenzen zwischen bürgerlichen, kommunistischen und faschistischen Einflüssen in den ersten chinesischen Jugendorganisationen. Das Chiang Kai-shek (1887-1975) unterstellte nationalistische Jugendkorps übernahm Elemente von den britischen Boy Scouts, pries aber zugleich die Vorzüge einer vormilitärischen Ausbildung, wie sie Jugendliche im Italien Mussolinis und im Deutschland Hitlers erhielten.[65] In Südafrika ging 1944 aus dem Bestreben, europäisch-imperiale Formen der Jugendführung zu indigenisieren, die Jugendliga des Afrikanischen Kongresses hervor, die in kürzester Zeit zu einer Kaderschmiede für antikoloniale Nationalisten heranreifte.[66] Politische Ideologien konnten der globalen Diffusion von Jugendorganisationen im Wege stehen, mussten es aber nicht.

„Der zu einem Staatsbesuch in der Deutschen Demokratischen Republik weilende Präsident der Demokratischen Republik Vietnam, Ho Chi Minh, besuchte mit seiner Begleitung am 28.7.1957 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft ‚Erster Mai‘ in Tempelfelde (Kreis Bernau), die Maschinen-Traktoren-Station in Werneuchen bei Bernau und das Pionierzeltlager ‚Helmuth Just‘ am Wukensee bei Biesenthal“ (Original-Bildunterschrift ADN), 28. Juli 1957. Fotograf: Horst Sturm, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-48550-0036,_Besuch_Ho_Chi_Minhs_bei_Pionieren,_bei_Berlin.jpg Bundesarchiv Bild 183-48550-0036 / Wikimedia Commons], Lizenz [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en CC BY-SA 3.0]
„Der zu einem Staatsbesuch in der Deutschen Demokratischen Republik weilende Präsident der Demokratischen Republik Vietnam, Ho Chi Minh, besuchte mit seiner Begleitung am 28.7.1957 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft ‚Erster Mai‘ in Tempelfelde (Kreis Bernau), die Maschinen-Traktoren-Station in Werneuchen bei Bernau und das Pionierzeltlager ‚Helmuth Just‘ am Wukensee bei Biesenthal“ (Original-Bildunterschrift ADN), 28. Juli 1957. Fotograf: Horst Sturm, Quelle: Bundesarchiv Bild 183-48550-0036 / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0


Globalisierungspfade ergaben sich nicht allein aus informellen Transfers, sondern wurden von den Organisatoren im Rahmen eigens für diesen Zweck geschaffener transnationaler Institutionen gezielt gelegt. Den Anfang machten die Weltpfadfinderfeste der Boy Scouts, die seit 1920 bis auf wenige Ausnahmen im Vierjahresturnus stattfinden und nach dem Zweiten Weltkrieg bereits über siebzig Nationen in fünf Kontinenten umfassten. Indem sie sich als Friedensfeste inszenierten und Staatsoberhäupter aus aller Welt anzogen, stiegen die World Scout Jamborees zu globalen Medienereignissen auf und wurden stilbildend für eine Reihe anderer transnationaler Jugendtreffen, darunter die sozialistischen Weltfestspiele der Jugend und Studenten und der katholische Weltjugendtag. Aller brüderlichen Rhetorik zum Trotz kaschierten jugendliche Fraternisierungsgesten handfeste Partikularinteressen. Auf den World Jamborees paarte sich jugendlicher Idealismus mit reaktionären Beharrungskräften: In der öffentlichen Wahrnehmung blieben die Scouts ein Männerbund und nicht-westliche Pfadfinder Jugendliche zweiter Klasse.[67] Die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten und Südafrika führte in beiden Gesellschaften zu nach Hautfarbe segregierten Boy-Scout-Einheiten, denen die Teilnahme an den Weltpfadfinderfesten bis in die zweite Jahrhunderthälfte verwehrt blieb – im Falle Südafrikas bis zum Ende des Apartheidregimes in den frühen 1990ern. Zu fragen wäre außerdem, inwiefern die ersten panafrikanischen Jamborees in den 1960er-Jahren, die im Zeichen der Dekolonisierung standen, von Zeitgenossen als Kampfansage an die von den alten Kolonialherren dominierten globalen Institutionen der Pfadfinderei gewertet wurden.[68]

Auch die Weltfestspiele, die sich lautstark von den „imperialistischen“ Scouts abgrenzten, waren keine egalitären Veranstaltungen. Zur gleichen Zeit, als die kommunistischen Veranstalter ihre Solidarität mit der kolonisierten Welt bekundeten, entwickelten die Weltfestspiele eine paternalistische Sicht auf die Länder der „Dritten Welt“, die als hilfs- und „entwicklungsbedürftig“ angesehen wurden.[69] Die Simultanität von jugendlichem „Antiimperialismus“ und europäisch-sozialistischem Führungsanspruch wurde 1973 auf den 10. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Ost-Berlin deutlich, die von Teilnehmern als „Rotes Woodstock“ beschrieben wurden. Während diskutierende Menschentrauben am Alexanderplatz und fröhlich musizierende Gruppen aus Asien, Afrika und Lateinamerika zum Erscheinungsbild der Weltfestspiele als inklusiv und freiheitsliebend beitrugen, fügte sich die Zurschaustellung solcher „kleiner Freiheiten“ ganz in die Propagandaziele des SED-Regimes ein. Dazu zählte, die moralische Überlegenheit des sozialistischen Systems bei der Bewältigung entwicklungspolitischer Herausforderungen im globalen Süden herauszustreichen.[70] Inwiefern die Solidaritätsrhetorik der Weltfestspiele die Vorhut einer neuen sozialistischen Weltpolitik bildete, die sich im ökonomischen und militärischen Engagement einzelner Warschauer-Pakt-Staaten in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre äußerte – z.B. 1976 in Angola oder im Ogadenkrieg zwischen Somalia und Äthiopien 1977-78 –, muss von der Forschung noch genauer beantwortet werden.

Überwölbt wurden solche Gegensätze von einem Diskurs von Jugend als revitalisierende und reinigende Kraft, der im Laufe des 20. Jahrhunderts bis in die Semantik der internationalen Beziehungen hineinreichte. Folgt man der Anthropologin Liisa Malkki, war die Lagerfeuerdiplomatie der Pfadfinder, mit der Scouts aus aller Welt unter freiem Himmel ihren Willen zu Frieden und Aussöhnung bekundeten, Ausdruck einer transideologischen Zeichen- und Bildsprache, die Kinder und Jugendliche wahlweise beschreibt „(1) as embodiments of a basic human goodness (and symbols of world harmony); (2) as sufferers; (3) as seers of truth; (4) as ambassadors of peace; and (5) as embodiments of the future“.[71] Damit diese metaphorische Allzweckwaffe zünden konnte, musste jedoch mehr als ein allgemeiner gesellschaftlicher Konsens über den politischen Wert von Jugend erzielt werden. Es waren die Jugendlichen selbst, die einen signifikanten Anteil an der Artikulation utopischer Weltordnungen hatten und dabei ganz eigene Praktiken der internationalen Verständigung entwickelten.

Der Aufstieg von jungen Menschen zu Avantgarden der Globalisierung, der in den 1920ern einsetzte und in den 1950ern und 1960ern weiter Fahrt aufnahm, war an materielle wie auch kulturelle Voraussetzungen geknüpft. Technisierung, Medialisierung und eine erhöhte Mobilität erweiterten kommunikative Netzwerke und Möglichkeiten des grenzübergreifenden Austausches. Jugendliche mit Freizeit, Geld und Zugang zu Fördermitteln nahmen an Studentenaustauschprogrammen teil, bereisten fremde Länder, übernachteten in Jugendherbergen und suchten den Kontakt zu Rucksacktouristen aus anderen Ländern. Richard Ivan Jobs beschreibt in seiner kürzlich erschienen Monografie das backpacking gar als eine genuin jugendliche Völkerverständigungspraxis, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg die europäische Integration „von unten“ entscheidend vorangetrieben habe.[72] „Jung“ und „Jugendlich“ wurden zu Distinktionsmerkmalen neuer transnationaler Gemeinschaften, die sich von den scheinbar überkommenen Konventionen der Älteren lossagten.[73] Zwar waren der Pathologisierung des Alters als Inbegriff der Schwäche und Gebrechlichkeit in Jugendorganisationen aufgrund ihres intergenerationellen Charakters Schranken gesetzt, doch kultivierten auch organisierte Jugendliche Formen der Altersschelte und betonten ihre Abneigung gegenüber der etablierten Politik, die sie als intrigant und unaufrichtig geißelten. Wer echte Freundschaft zwischen Nationen erfahren wolle, verkündete der US-amerikanische Boy Scout Owen Matthews 1936, solle die Bürokraten im Völkerbund meiden und an die Jamboree-Lagerfeuer kommen. Dort würden Jugendliche aus fünf Kontinenten nicht nur Brüderlichkeit fernab von Egoismus und Zynismus predigen; sie lebten sie.[74]

Dieser Kult des Authentischen wurde in der Realität, wie die aktuelle Forschung unterstreicht, gleich mehrfach gebrochen. Statt Differenzen einzuebnen, eigneten sich die internationalen Jugendtreffen mindestens genau so gut dafür, diese zu reproduzieren. Ein gemeinsamer Arbeitseinsatz in Algerien von jungen sozialistischen Freiwilligen aus Osteuropa, dem Nahen Osten und China im Sommer 1964 scheiterte an Sprachbarrieren und förderte nationale Rivalitäten zutage, die sich mit den Idealen des proletarischen Internationalismus nur schwer vertrugen.[75] Viele Pfadfinder aus kriegsgeschundenen und wirtschaftlich unterlegenen europäischen Nationen fühlten sich in den 1920er- und 1950er-Jahren von ihren mit modernsten Geräten ausgestatteten Kameraden aus den USA brüskiert, als diese mit ihren Kameras und Radios über die Jamboree-Zeltplätze stolzierten. Antiamerikanische Lästereien waren die Folge. Rabiater ging es 1937 im niederländischen Vogelenzang zwischen Delegierten aus Polen und Litauen zu: Ein Streit über die Grenze zwischen beiden Ländern endete in einer wüsten Schlägerei.[76] Auch die Schwesternschaft der Pfadfinderinnen emanzipierte sich nur mühsam von nationalen und imperialen Ordnungsmustern. Wie Kristine Alexander jüngst feststellte, waren abschätzige Bemerkungen kanadischer und britischer Girl Guides und ihrer Führerinnen über ihre indischen Schwestern keine Seltenheit.[77]

Hier wird eine Paradoxie greifbar, auf die bereits der Globalisierungstheoretiker Roland Robertson hingewiesen hat: Suchten Jugendliche in diesen Organisationen eine Zugehörigkeit zu einer wie auch immer politisch kartografierten und subjektiv erlebten „Welt“, konnte dieser Prozess stets kleinere Partikularidentitäten festigen.[78] Die räumliche Erweiterung des eigenen Sozialisationshorizonts begünstigte weniger die Überwindung von lokalen Eigenheiten und nationalen Loyalitäten als deren Verteidigung. Letzteres spielte den gesellschaftlichen und staatlichen Eliten in die Hände, die nichts mehr fürchteten als das subversive Potenzial einer sich nach rein generationellen Gesichtspunkten vergemeinschaftenden Jugend. Das Bild von Kindern und Jugendlichen als unbeschwerte Internationalisten hielt sich dennoch über weite Strecken des 20. Jahrhunderts hartnäckig, weil es wichtige Vorteile versprach. Jungen Menschen verschaffte das Bild soziales Prestige, eine öffentliche Stimme und regimekonforme Aufstiegsmöglichkeiten. Den Älteren bot es die Gelegenheit, den moralischen Ballast der Vergangenheit abzuwerfen und das eigene Lager als weltoffen, zukunfts- und überlebensfähig zu zeichnen.

XII Boy Scout World Jamboree - Farragut State Park, Idaho, August 1967. Urheber: pieshops@gmail.com, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:XII_Boy_Scout_World_Jamboree_-_Farragut_State_Park,_Idaho_(6195799522).jpg Wikimedia Commons], Lizenz [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en CC BY-SA 2.0]
XII Boy Scout World Jamboree - Farragut State Park, Idaho, August 1967. Urheber: pieshops@gmail.com, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 2.0


Quo vadis, organisierte Jugend?

Betrachtet man die geschichtswissenschaftliche Literatur der letzten Jahrzehnte zum Phänomen der organisierten Jugend etwas näher, fällt eine Schieflage auf. Zwar kommt heute kaum eine Meistererzählung zum 20. Jahrhundert ohne Verweis auf die millionenstarken uniformierten Kolonnen der Hitlerjugend oder des Komsomol aus. In allgemeinen zeithistorischen Debatten fristet das Thema jedoch weitgehend ein Nischendasein. Die Gründe für diese Diskrepanz liegen wohl weniger an der fortschreitenden Spezialisierung des Fachs als daran, dass neuere Forschungen zu Jugendorganisationen meist quer zu den aktuell dominanten methodischen Ansätzen und Paradigmen liegen. Anders formuliert: Einzelne Studien leisten originelle Beiträge zu den Arbeitsgebieten der Geschlechter-, Global- und Kindheitsgeschichte, sind aber nicht in diesen Feldern beheimatet.

Hinzu kommt ein Periodisierungsproblem, das dieses Aufmerksamkeitsdefizit noch vergrößert. Historiker/innen sind sich schlicht nicht einig, welche Zeitrahmen anzulegen sind. Interessiert man sich für Kontinuitätslinien von älteren Männerbünden zu den modernen Jugendorganisationen, ist es denkbar, Mitte des 19. Jahrhunderts bei der Young Men’s Christian Association (YMCA) anzusetzen oder noch weiter zurückzugehen, beispielsweise zu den Freimaurern. Als einschneidende Zäsur bietet sich die Liberalisierungswelle der 1970er-Jahre an, als Jugend- und Gegenkulturen zusehends verschmolzen und traditionsreiche Verbände wie die Boy Scouts of America nahezu die Hälfte ihrer Mitglieder einbüßten. Für den US-amerikanische Soziologen Robert Putnam sind solche Schrumpfungen Beleg für den Niedergang einer konservativen Kultur des „civic engagement“ und einer konsumistischen Hinwendung zum Privaten.[79] Doch zum Ursachenbündel zählen auch sinkende Geburtenraten in den westlichen Gesellschaften und das Aufkommen konkurrierender Sozialisationsräume wie die Expansion der Jugendarbeit in Sportvereinen oder die antiautoritär inspirierte Jugendzentrumsbewegung, die sich nach 1968 in der Bundesrepublik ausbreitete.[80] Noch fulminanter verlief der Erosionsprozess organisierter Jugendverbände nach dem Ende des Kalten Kriegs in den ehemaligen Ostblock-Staaten, als mit den kommunistischen Regimen auch die von ihnen kontrollierten Staatsjugenden kollabierten. Dass es sich bei diesen Organisationsdämmerungen um einen verfrühten Abgesang handelt, wird spätestens dann ersichtlich, wenn man sich die Aufmärsche rechter Jugendgruppierungen und ihre Verbindungen zu nationalistischen Bewegungen in Europa, Russland und Nordamerika im frühen 21. Jahrhundert vor Augen führt. Klar ist auch, dass nicht-westliche Jugendorganisationen, zu denen es erst wenig empirisch gesättigte Studien gibt, ganz eigenen Chronologien folgten. Diskussionswürdig ist die Frage, ob der Dschihadismus des frühen 21. Jahrhunderts in der Beschreibung einer gleichermaßen antiwestlichen wie rechtsradikalen Jugendbewegung aufgeht.[81]

Was bleibt zu tun? Eine noch ausstehende Globalgeschichte der organisierten Jugend zu schreiben wäre sicher eine Mammutaufgabe. Praktikabel wäre es, wenn eine solche Arbeit an den Stellen ansetzen würde, wo der Vernetzungsgrad am höchsten war, nämlich der transnationalen Übersetzung und lokalen Adaption bestimmter Organisationskulturen sowie der Akteure, die diese ermöglichten. Darüber hinaus spricht vieles für komparatistische Studien, die Entwicklungsdynamiken, Vergemeinschaftungsprozesse und Ausgrenzungspraktiken von organisierten Jugendverbänden in verschiedenen Weltregionen vergleichend analysieren. Zu den lohnenden Zielen künftiger Forschung gehört sicher auch die Erschließung ländlicher Räume, wo Jugendorganisationen einen höheren Durchdringungsgrad erreichten als in den urbanen Zentren mit ihren informellen Formen jugendlicher Geselligkeit. Durchaus reizvoll, um die Historiografie einmal auf den Kopf zu stellen, könnte die Frage sein, inwiefern Jugendorganisationen nicht nur als Erziehungsinstitutionen für junge Menschen fungierten, sondern auch als Foren der Verjüngung, die der Regeneration „alternder” Nationen und Imperien dienten. Der Weg dahin steht offen.


Empfohlene Literatur zum Thema

Honeck, Mischa, Our frontier is the world. The Boy Scouts in the age of American ascendancy, Ithaca 2018: Cornell University Press 
Jobs, Richard Ivan / Pomfret, David M. (Hrsg.), Transnational histories of youth in the twentieth century, Basingstoke 2015: Palgrave Macmillan 
Kater, Michael H., Hitler youth, Cambridge, Mass 2004: Harvard Univ. Press 
Rosenberg, Gabriel N., The 4-H harvest. Sexuality and the state in rural America, Philadelphia 2015: University of Pennsylvania Press 
Zitation
Mischa Honeck, Jugendorganisationen, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 22.10.2018, URL: http://docupedia.de/zg/Honeck_jugendorganisationen_v1_de_2018?oldid=130658

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  1. Richard Etheridge, Walking in the Shadow of a Political Agitator: Book 1 – Apprentice, London 2016, S. 77-78. Zur Affäre um die „Red Scouts” in Großbritannien in den 1950er-Jahren siehe Sarah Mills, Be Prepared: Communism and the Politics of Scouting in 1950s Britain, in: Contemporary British History 25 (2011), H. 3, S. 429-450.
  2. Eine Synthese bietet Bodo Mrozek, Jahrhundert der Jugend? in: Martin Sabrow/Peter Ulrich Weiß (Hrsg.), Das 20. Jahrhundert vermessen: Signaturen eines vergangenen Zeitalters, Göttingen 2017, S. 199-218.
  3. Eric J. Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München 1998.
  4. Detlev J.K. Peukert, Jugend zwischen Krieg und Krise: Lebenswelten von Arbeiterjungen in der Weimarer Republik, Köln 1987, S. 304. Ähnlich äußert sich Peter Dudek, Geschichte der Jugend, in: Heinz-Hermann Krüger/Cathleen Grunert (Hrsg.), Handbuch Kindheits- und Jugendforschung, Opladen 2002, S. 333-349, hier S. 333.
  5. Josef Ehmer, Das Alter in Geschichte und Geschichtswissenschaft, in: Ursula M. Staudinger/Heinz Häfner (Hrsg.), Was ist Altern(n)? Neue Antworten auf eine scheinbar einfache Frage, Berlin/Heidelberg 2008, S. 149-172; Steven Mintz, Reflections on Age as a Category of Historical Analysis, in: The Journal of the History of Childhood and Youth 1 (Winter 2008), H. 1, S. 91-92; Leslie Paris, Through the Looking Glass: Age, Stages, and Historical Analysis, ebd., S. 106-113.
  6. Richard Ivan Jobs/David M. Pomfret, The Transnationality of Youth, in: dies. (Hrsg.), Transnational Histories of Youth in the Twentieth Century, New York 2015, S. 1-19, hier S. 5.
  7. Granville Stanley Hall, Adolescence: Its Psychology and its Relations to Physiology, Anthropology, Sociology, Sex, Crime, Religion and Education, 2 Bde., New York 1905.
  8. Siehe dazu Yonatan Eyal, The Young America Movement and the Transformation of the Democratic Party, 1828-1861, New York 2007; Anthony Esler (Hrsg.), The Youth Revolution: The Conflict of Generations in Modern History, Lexington, MA, 1974.
  9. Zu den paramilitärischen Boys’ Brigades siehe John R. Gillis, Youth and History: Tradition and Change in European Age Relations, 1770-Present, London 1974, S. 130, 145. Zu den Woodcraft Indians, die Naturspiele nach indianischem Vorbild organisierten, siehe Philip Deloria, Playing Indian, New Haven 1998, S. 95-127.
  10. Siehe John Springhall, Youth, Empire, and Society: British Youth Movements, 1883-1940, London 1977; David I. Macleod, Building Character in the American Boy: The Boy Scouts, YMCA, and their Forerunners, Madison, WI, 1983.
  11. Jay Mechling, Children in Scouting and Other Organizations, in: Paula S. Fass (Hrsg.), The Routledge History of Childhood in the Western World, New York 2013, S. 419-433, hier S. 428.
  12. Vgl. Sigried Bias-Engels, Zwischen Wandervogel und Wissenschaft: Zur Geschichte von Jugendbewegung und Studentenschaft, 1896-1920, Köln 1988; Winfried Speitkamp, Jugend in der Neuzeit: Deutschland vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Göttingen 1998, S. 118-161, online unter http://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00044409_00001.html.
  13. Tim Jeal, Baden-Powell, New Haven 2001, S. 457, 493, 545; Michael H. Kater, Hitler Youth, Cambridge, MA, 2004, S. 8.
  14. Walter Laqueur, Die deutsche Jugendbewegung: Eine historische Studie, Köln 1962, S. 7.
  15. Dazu exemplarisch Tamara Myers, Local Action and Global Imagining: Youth, International Development, and the Walkathon Phenomenon in Canada, in: Diplomatic History 38 (April 2014), S. 282-293; Sian Edwards, Youth Movements, Citizenship, and the English Countryside: Creating Good Citizens, 1930-1960, London 2017; Olga Kucherenko, Little Soldiers: How Soviet Children Went to War, 1941-1945, New York 2011.
  16. Siehe z.B. Kristine Alexander, Can the Girl Guide Speak? The Perils and Pleasures of Looking for Children’s Voices in Archival Research, in: Jeunesse: Young People, Texts, and Cultures 4 (2012), H. 1, S. 132-145, online unter http://jeunessejournal.ca/index.php/yptc/article/view/154/111; Joanne Faulkner, Young and Free: (Post)Colonial Ontologies of Childhood, Memory, and History in Australia, Lanham, MD, 2016. Zur Rolle postkolonialer Ansaetze in der historischen Kindheitsforschung siehe ebenfalls den Docupedia-Artikel von Martina Winkler, Kindheitsgeschichte, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 17.10.2016, http://docupedia.de/zg/Winkler_kindheitsgeschichte_v1_de_2016.
  17. Mona Gleason, Avoiding the Agency Trap: Caveats for Historians of Children, Youth, and Education, in: Journal of the History of Education 45 (2016), H. 4, S. 446-459; Susan A. Miller, Assent as Agency in the Early Years of the Children of the American Revolution, in: The Journal of the History of Childhood and Youth 9 (Winter 2016), H. 1, S. 48-65, hier S. 49.
  18. Vgl. Daniel Leese, Die chinesische Kulturrevolution, 1966-1976, München 2016, S. 39-56.
  19. Siehe stellvertretend Laqueur, Die deutsche Jugendbewegung; Felix Raabe, Die Bündische Jugend: Ein Beitrag zur Geschichte der Weimarer Republik, Stuttgart 1961; Heinz S. Rosenbusch, Die deutsche Jugendbewegung in ihren pädagogischen Formen und Wirkungen (Quellen und Beiträge zur Geschichte der Jugendbewegung, Bd. 16), Frankfurt a.M. 1973.
  20. Vgl. Arno Klönne, Hitlerjugend: Die Jugend und ihre Organisation im Dritten Reich, Hannover/Frankfurt a.M. 1955; Carmen Betti, L’Opera nazionale Balilla e l’educazione fascista, Florenz 1977.
  21. Siehe u.a. Hannsjoachim W. Koch, Geschichte der Hitlerjugend: Ihre Ursprünge und ihre Entwicklung, 1922-1945, Percha 1975; Michael Buddrus, Totale Erziehung für den totalen Krieg: Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, München 2003; Ute Schleimer, Die Opera Nazionale Balilla bzw. Gioventu Italiana del Littorio und die Hitlerjugend – eine vergleichende Darstellung, Münster 2004. Neuere Perspektiven bieten: Kathrin Kollmeier, Ordnung und Ausgrenzung: Die Disziplinarpolitik der Hitler-Jugend, Göttingen 2007; Till Kössler, Die faschistische Kindheit, in: Meike S. Baader/Florian Eßer/Wolfgang Schröer (Hrsg.), Kindheiten in der Moderne: Eine Geschichte der Sorge, Frankfurt a.M./New York 2014, S. 284-318; Thomas Gloy, Im Dienst der Gemeinschaft: Zur Ordnung der Moral in der Hitler-Jugend. Göttingen 2018.
  22. Siehe dazu exemplarisch die Sammlung des Lebendigen Museums Online (LEMO) zur Jugend im Nationalsozialismus: https://www.dhm.de/fileadmin/lemo/suche/search/index.php?q=seitentyp:Zeitzeuge&f[]= epoche:NS-Regime.
  23. Siehe Ernst Berger (Hrsg.), Verfolgte Kindheit: Kinder und Jugendliche als Opfer der NS-Sozialverwaltung, Köln/Weimar/Wien 2007. Zur Swing-Jugend siehe Alenka Barber-Kersovan/Gordon Uhlmann (Hrsg), Getanzte Freiheit: Swingkultur zwischen NS-Diktatur und Gegenwart, Hamburg 2002.
  24. Zum Konzept der „totalen Institution” siehe Erving Goffman, Asylums: Essays on the Social Situation of Mental Patients and Other Inmates, Garden City, NY, 1961.
  25. John S. Wilson, Scouting Round the World, London 1959.
  26. Vgl. Freie Deutsche Jugend, Dokumente zur Geschichte der Freien Deutschen Jugend, 4 Bde., Berlin (Ost) 1960-1963; Karl Heinz Jahnke u.a., Geschichte der Freien Deutschen Jugend, Berlin (Ost) 1976. Eine westdeutsche Perspektive bietet Arnold Freiburg/Christa Mahrad, FDJ: Der sozialistische Jugendverband der DDR, Opladen 1982.
  27. Matthias Judt (Hrsg.), DDR-Geschichte in Dokumenten. Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse, Berlin 1998, S. 54f; Ulrich Mählert/Gerd-Rüdiger Stephan, Blaue Hemden, Rote Fahnen: Die Geschichte der Freien Deutschen Jugend, Opladen 1996, S. 44-49.
  28. Zitiert nach Wolfgang R. Krabbe, Parteijugend in Deutschland: Junge Union, Jungsozialisten und Jungdemokraten, 1945-1980, Wiesbaden 2002, S. 12. Zur Geschichte der Parteijugend in der Bundesrepublik siehe außerdem Martin Oberpriller, Jungsozialisten: Parteijugend zwischen Anpassung und Opposition, Bonn 2004; Claus-Peter Grotz, Die Junge Union: Struktur, Funktion, Entwicklung der Jugendorganisation von CDU und CSU seit 1969, Kehl a.R. 1983; in den USA siehe die Einträge zu „Young Democrats of America“ und „Young Republican Club“ in: Larry J. Sabato/Howard R. Ernst (Hrsg.), Encyclopedia of American Political Parties and Elections, New York 2006, S. 496-497. Zur Gewerkschaftsjugend siehe Knud Andresen, Gebremste Radikalisierung: Die IG Metall und ihre Jugend 1968 bis in die 1980er Jahre, Göttingen 2016.
  29. Dietmar Süß, Die Enkel auf den Barrikaden: Jungsozialisten in der SPD in den Siebzigerjahren, in: Archiv für Sozialgeschichte 44 (2004), S. 67-104, besonders S. 71.
  30. Vgl. Macleod, Building Character; Martin Kalb, Coming of Age: Constructing and Controlling Youth in Munich, 1942-1973, New York 2016. Aus sowjetischer Perspektive siehe Anne E. Gorsuch, Youth in Revolutionary Russia: Enthusiasts, Bohemians, Delinquents, Bloomington, IN, 2000.
  31. Siehe beispielsweise Uta G. Poiger, Jazz, Rock and Rebels: Cold War Politics and American Culture in a Divided Germany, Berkeley/Los Angeles 2000; Leerom Medovoi, Rebels: Youth and the Cold War Origins of Identity, Durham, NC, 2005; Leonard Schmieding, Das ist unsere Party: HipHop in der DDR, Stuttgart 2014; Bodo Mrozek, Jugend – Pop – Kultur: Eine transnationale Geschichte, Frankfurt a.M. 2019 (i.E.).
  32. Zur Einführung: Stanley Cohen, Folk Devils and Moral Panics, London 1972.
  33. Siehe u.a. Mark Fenemore, Sex, Thugs, and Rock’n’Roll: Teenage Rebels in Cold War East Germany, New York 2007, S. 177.
  34. Michael Rosenthal, The Character Factory: Baden-Powell and the Origins of the Boy Scout Movement, New York 1986.
  35. Siehe hierzu Karl Braun/John Khairi-Taraki/Felix Linzner (Hrsg.), Avantgarden der Biopolitik: Jugendbewegung, Lebensreform und Strategien biologischer „Aufrüstung”, Göttingen 2017.
  36. Repräsentativ für diese veränderte Wahrnehmung sind: James Marten (Hrsg.), Children and War: A Historical Anthology, New York 2002; Nicholas Stargardt, Witnesses of War: Children’s Lives Under the Nazis, London 2005; Manon Pignot, Allons enfants de la patrie: Génération Grande Guerre, Paris 2012; Mischa Honeck/James Marten (Hrsg.), War and Childhood in the Era of the Two World Wars, New York 2019 (i.E.).
  37. Sabine Frühstück, Playing War: Children and the Paradoxes of Modern Militarism in Japan, Berkeley, CA, 2017.
  38. Exemplarisch siehe Tracy C. Davis, Stages of Emergency: Cold War Nuclear Civil Defense, Durham/London 2007, S. 25-28.
  39. Epochenübergreifend siehe Alexander Denzler/Stefan Grüner/Markus Raasch (Hrsg.), Kinder und Krieg: Von der Antike bis zur Gegenwart, Berlin 2016.
  40. Siehe George L. Mosse, The Image of Man: The Creation of Modern Masculinity, New York 1996; Birgit Dahlke, Jünglinge der Moderne: Jugendkult und Männlichkeit in der Literatur im 1900, Köln/Weimar/Wien 2000.
  41. Für Theodore Roosevelt siehe ders., The Strenuous Life: Essays and Addresses, New York 1906, S. 3-22.
  42. Robert H. MacDonald, Sons of the Empire: The Frontier and the Boy Scout Movement, 1890-1910, Toronto 1993; Gail Bederman, Manliness and Civilization: A Cultural History of Gender and Race in the United States, 1880-1917, Chicago 1995; Clifford Putney, Muscular Christianity: Manhood and Sports in Protestant America, 1880-1920, Cambridge, MA, 2001. Einen ähnlichen Kausalzusammenhang im Umfeld der deutschen Wandervogelbewegung konstatiert Claudia Bruns, Die Politik des Eros: Der Männerbund in Wissenschaft, Politik und Jugendkultur (1880-1934), Köln/Weimar/Wien 2008.
  43. Siehe Dahlke, Jünglinge der Moderne; Marilyn Lake/Henry Reynolds, Drawing the Global Colour Line: White Men’s Countries and the International Challenge of Racial Equality, New York 2008; Jürgen Martschukat/Olaf Stieglitz (Hrsg.), Väter, Soldaten, Liebhaber: Männer und Männlichkeiten in der Geschichte Nordamerikas – Ein Reader, Bielefeld 2007. Zum Konzept der hegemonialen Männlichkeit siehe R.W. Connell/James W. Messerschmidt, Hegemonic Masculinity: Rethinking the Concept, in: Gender & Society 19 (2005), H. 6, S. 829-859.
  44. Zitiert nach Hermann Weber (Hrsg.), Lenin: Aus den Schriften, 1895-1923, München 1980, S. 123.
  45. Dazu beispielhaft Benjamin René Jordan, Modern Manhood and the Boy Scouts of America: Citizenship, Race, and the Environment, 1910-1930, Chapel Hill, NC, 2016; Matthias Neumann, The Communist Youth League and the Transformation of the Soviet Union, 1917-1932, London 2011.
  46. Zur Beliebtheit des Indianerspielens in unterschiedlichen Organisationen siehe Deloria, Playing Indian, S. 95-127; Paul C. Mishler, Raising Reds: The Young Pioneers, Radical Summer Camps, and Communist Political Culture in the United States, New York 1999, S. 83-108; Frank Usbeck, Fellow Tribesmen: The Image of Native Americans, National Identity, and Nazi Ideology in Germany, New York 2015, S. 95-97.
  47. Grundlegend: Gabriele Winker/Nina Degele, Intersektionalität: Zur Analyse sozialer Ungleichheiten, Bielefeld 2009; Patrick R. Grzanka, Intersectionality: A Foundations and Frontiers Reader, Boulder, CO, 2014.
  48. Zum BDM siehe Birgit Jürgens, Zur Geschichte des BDM (Bund Deutscher Mädel) von 1923 bis 1939, Frankfurt a.M. 1996; Sabine Hering/Kurt Schilde, Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“: Die Organisation junger Frauen im Nationalsozialismus, Wiesbaden 2004.
  49. Siehe hierzu Mishler, Raising Reds; Gorsuch, Youth in Revolutionary Russia; Neumann, The Communist Youth League.
  50. Zur Entstehung der Girl Guides/Scouts und anderer früher Mädchenorganisationen: Susan A. Miller, Growing Girls: The Natural Origins of Girls’ Organizations in America, New Brunswick, NJ, 2007; Tammy M. Proctor, Scouting for Girls: A Century of Girl Guides and Girl Scouts, Santa Barbara, CA, 2009. Für Entwicklungen in Deutschland siehe Christiane Kliemannel, Mädchen und Frauen in der deutschen Jugendbewegung im Spiegel der historischen Forschung, Rudolstadt 2010.
  51. Jeal, Baden-Powell, S. 469-471.
  52. Vgl. Dagmar Herzog, Sex after Fascism: Memory and Morality in Twentieth-Century Germany, Princeton 2005, S. 10-63; Sam Pryke, The Control of Sexuality in the Early British Boy Scouts Movement, in: Sex Education 5 (2005), H. 1, S. 15-28; Gabriel N. Rosenberg, The 4-H Harvest: Sexuality and the State in Rural America, Philadelphia 2015.
  53. Kirk Johnson, Boy Scout Files for First Time Give Glimpse into 20 Years of Sex Abuse, in: New York Times, 18.10.2012, online unter https://www.nytimes.com/2012/10/19/us/boy-scout-documents-reveal-decades-of-sexual-abuse.html. Siehe auch Christian Füller, Missbrauch, Gewalt, Ideologie: Wie Ideen sexuelle Gewalt ermöglichen, in: Wilfried Breyvogel (Hrsg.), Pfadfinderische Beziehungsformen und Interaktionsstile: Vom Scoutismus über die bündische Zeit bis zur Missbrauchsdebatte, Wiesbaden 2017, S. 237-251. Eine journalistische Arbeit zum Thema: Patrick Boyle, Scout’s Honor: Sexual Abuse in America’s Most Trusted Institution, San Francisco 1994.
  54. Eine ausgewogene Darstellung zu Jugend und Sexualität im Nationalsozialismus liefert Elizabeth D. Heinemann, Sexuality and Nazism: The Doubly Unspeakable?, in: Dagmar Herzog (Hrsg.), Sexuality and German Fascism, New York 2005, S. 29-33.
  55. Vgl. Susan Whitney, Mobilizing Youth: Communists and Catholics in Interwar France, Durham, NC, 2009, S. 51; Neumann, The Communist Youth League, S. 147-149; Leonore Ansorg, Kinder im Klassenkampf, Die Geschichte der Pionierorganisation von 1948 bis Ende der fünfziger Jahre, Berlin 1997, S. 16-17, 90.
  56. Siehe Tammy M. Proctor, On My Honor: Guides and Scouts in Interwar Britain, Philadelphia 2002, S. 131-154; Mischa Honeck, Our Frontier Is the World: The Boy Scouts in the Age of American Ascendancy, Ithaca, NY, 2018, S. 103-104.
  57. Dazu Alessio Ponzio, Shaping the New Man. Youth Training Regimes in Fascist Italy and Nazi Germany, Madison, WI, 2015; sowie die Dissertation von Timo Holste, Contested Internationalism: Das Boy Scouts International Bureau und der Aufstieg des Faschismus, 1930-1946, Universität Heidelberg 2018.
  58. Christina Norwig, Die erste europäische Generation: Europakonstruktionen in der Europäischen Jugendkampagne, 1951-1958, Göttingen 2017. Zur Geschichte der Jugendfreiwilligendienste im westeuropäischen Kontext siehe Christine G. Krüger, Dienstethos, Abenteuerlust, Bürgerpflicht: Jugendfreiwilligendienste in Deutschland und Großbritannien im 20. Jahrhundert, Göttingen 2016.
  59. Dazu Georg Jäschke, Wegbereiter der deutsch-polnisch-tschechischen Versöhnung? Die katholische Vertriebenenjugend 1946-1990 in der Bundesrepublik Deutschland, Münster 2018.
  60. Zur Geschichte jüdischer und jüdisch-zionistischer Jugendorganisationen siehe Christian Faust, Der Blau-Weiß-Zionismus und das Geschlechterverständnis in der frühen jüdischen Jugendbewegung, in: Sabine Haustein/Victoria Hegner (Hrsg.), Stadt, Religion, Geschlecht: Historisch-ethnografische Erkundungen zu Judentum und neuen religiösen Bewegungen in Berlin, , Berlin 2010, S. 124-144; Ulrike Pilarczyk, Gemeinschaft in Bildern: Jüdische Jugendbewegung und zionistische Erziehungspraxis in Deutschland und Palästina/Israel (unter Mitarb. von Ulrike Mietzner, Juliane Jacobi u. Ilka von Cossart), Göttingen 2009.
  61. Mishler, Raising Reds, S. 71-72.
  62. Wilson, Scouting Round the World, S. 79, 81.
  63. Letzteres geht aus Tagebucheinträgen einiger US-amerikanischer Boy Scouts hervor, die in der Zwischenkriegszeit an Weltpfadfindertreffen in Europa teilnahmen; siehe Honeck, Our Frontier Is the World, S. 97, 124.
  64. Vgl. Pierre Brocheux, Ho Chi Minh: A Biography, New York 2007, S. 96.
  65. Kristin Mulready-Stone, Mobilizing Shanghai Youth: CCP Internationalism, GMD Nationalism and Japanese Collaboration, New York 2015, Kapitel 6.
  66. Siehe Timothy Parsons, Race, Resistance, and the Boy Scout Movement in British Colonial Africa, Athens, OH, 2005, S. 195.
  67. Honeck, Our Frontier Is the World, S. 88-128; Margaret Peacock, Innocent Weapons: The Soviet and American Politics of Childhood in the Cold War, Chapel Hill 2014, S. 114-116.
  68. Zur Segregation siehe Jordan, Modern Manhood, S. 194-213; zur Dekolonisierung siehe Parsons, Race, Resistance, and the Boy Scout Movement, S. 240-241.
  69. Vgl. Denise Wesenberg, Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in Ost-Berlin im Kontext der Systemkonkurrenz, in: Michael Lemke (Hrsg.), Konfrontation und Wettbewerb. Wissenschaft, Technik und Kultur im geteilten Berliner Alltag (1948-1973), Berlin 2008, S. 333-352; Andreas Ruhl, Stalin-Kult und Rotes Woodstock. Die Weltjugendfestspiele 1951 und 1973 in Ostberlin, Marburg 2009; Kay Schiller, Communism, Youth and Sport. The 1973 World Youth Festival in East Berlin, in: Alan Tomlinson/Christopher Young/Richard Holt (Hrsg.), Sport and the Transformation of Modern Europe. States, Media and Markets, 1950–2010, London 2010, S. 50-66. Zum breiteren Kontext siehe außerdem Quinn Slobodian (Hrsg.), Comrades of Color: East Germany in the Cold War World, New York 2015; und die Dissertation von Nick Rutter, Enacting Communism: The World Youth Festival, 1945-1975, Yale University 2013.
  70. Dazu besonders Wesenberg, Die X. Weltfestspiele.
  71. Liisa Malkki, Children, Humanity, and the Infantilization of Peace, in: Ilana Feldman/Miriam Ticktin (Hrsg.), In the Name of Humanity: The Government of Threat and Care, Durham, NC, 2010, S. 58-85, hier S. 60.
  72. Richard Ivan Jobs, Backpack Ambassadors: How Youth Travel Integrated Europe, Chicago 2017.
  73. Jobs/Pomfret, The Transnationality of Youth, S. 1-19.
  74. Owen Matthews, How Can American Stay Out of War? in: Boys’ Life (Juli 1936), S. 19, 49; siehe auch Honeck, Our Frontier Is the World, S. 116-128.
  75. Nick Rutter, Unity and Conflict in the Socialist Scramble for Africa, 1960-1970, in: Tamara Chaplin/Jadwiga E. Pieper Mooney (Hrsg.), The Global 1960s: Convention, Contest, and Counterculture, New York 2018, S. 34-52, bes. S. 43.
  76. Honeck, Our Frontier Is the World, S. 104, 115.
  77. Kristine Alexander, Guiding Modern Girls: Girlhood, Empire, and Internationalism in the 1920s and 1930s, Vancouver 2017, S. 43, 135-136.
  78. Roland Robertson, Globalization: Social Theory and Global Culture, London 1992; ders., Glocalization: Time-Space and Homogeneity-Heterogeneity, in: Mike Featherstone/Scott Lash/Robert Robertson (Hrsg.), Global Modernities, London 1995, S. 25-44.
  79. Robert D. Putnam, Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community, New York 2000, bes. S. 277-286.
  80. Vgl. David Templin, Freizeit ohne Kontrollen: Die Jugendzentrumsbewegung in der Bundesrepublik der 1970er Jahre, Göttingen 2015.
  81. Diese These vertritt Karin Priester, Warum Europäer in den Heiligen Krieg ziehen: Der Dschihadismus als rechtsradikale Jugendbewegung, Frankfurt a.M./New York 2017.